Marokko 2010/11
Aktualisiert (Mittwoch, den 16. März 2011 um 20:56 Uhr) Geschrieben von: Administrator Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 12:47 Uhr
Marokko 2010/2011
Anfahrt – Marrakesch
Für unseren diesjährigen Weihnachtsurlaub haben wir lange überlegt. Afrika war klar, aber welches Land noch nicht so ganz. Nachdem wir bereits mehrere Male Tunesien bereist und kennengelernt hatten, wollten wir mal uns einem neuen Ziel widmen. Schließlich fiel die Wahl auf Marokko, ein Land, welches wir bis jetzt immer wegen den zu hohen Fährpreisen ausgeschlossen hatten. Der Blick auf die einschlägigen Internetseiten der Fährgesellschaften zeigte, dass die Fährpreise doch akzeptabel waren. Also buchten wir recht früh unsere Überfahrt von Genua nach Tanger, ohne zu wissen, wie und wann genau wir wieder zurückkommen sollten, da die Fahrpläne fürs neue Jahr noch nicht bekannt gegeben worden waren. Im November war es dann so weit und wir bekamen eine günstige Überfahrt von Nador aus nach Seté in Frankreich angeboten. Dies definierte somit dann auch gleich unsere Reiseroute grob vor. Die Planung war folgende: im Westen runter in den Süden, südlich des Atlasses nach Osten queren und hoch nach Nador fahren.
Die Abfahrt verlief dann kurz vor Weihnachten wie immer hektisch. Zusätzlich hatte einen Tag vor Aufbruch die Starterbatterie nach zehn Jahren ihren Dienst quittiert, so dass ich noch schnell eine neue besorgen und einbauen musste. Aber dann konnte es losgehen. Trotz der winterlichen Wetterlage waren die Straßen frei und wir fuhren Samstagmorgen um 10.00 Uhr in Genua ein, natürlich nicht ohne die obligatorische Stadtrundfahrt auszulassen, weil wir wieder einmal nicht die richtige Abfahrt aus dem Kreisverkehr erwischt hatten. Das hatte aber auch sein Gutes, denn wir kamen an einer Waschanlage vorbei und konnten vor dem Ablegen der Fähre die dicke Salzschicht abwaschen.
Im Hafen angekommen, schauten wir ein bisschen wehmütig den Kollegen nach, die Richtung Tunis sich in die Warteschlangen stellten. Irgendwie war alles wie sonst, und doch war es anders, denn wir wussten es geht etwas neuem etwas ungewissem entgegen. Und das war gut.

Den Nachmittag verbrachten wir mit dem üblichen Schlangestehen und endlosem Warten. Doch als dann die Fähre anlegte und entladen war, erlebten wir gleich die erste Überraschung. Alles verlief um einiges geordneter als nebenan auf der gewohnten Tunesienfähre. Ohne großes Gerangel und Geschiebe kamen wir zügig auf die Fähre und konnten unsere Kabine beziehen. Die Kreuzfahrt konnte beginnen. Am nächsten Tag legten wir zur Mittagszeit in Barcelona an, um dort Nachzügler an Bord zu nehmen. Hier erfuhren wir von einer Gruppe Deutscher, dass sie von Barcelona aus nur 700 Euro hin und zurück gezahlt haben. Also etwas mehr als die Hälfte wie von Genua aus. Nach etwas mehr als einer Stunde legten wir wieder ab und nahmen Kurs auf Tanger. Unterwegs erfuhren wir noch, dass die Fähre nicht mehr in Tanger anlegen sollte, sondern im neuen Hafen Tanger Med. Die zwei Tage auf See vergingen erstaunlich schnell mit Lesen, Quatschen und natürlich dem Anstehen bei den Offiziellen für die Einreise in Marokko.
Am nächsten Tag um ca. 16.00 erreichten wir den Hafen. Bei der Einreise ging allerdings etwas mit unseren Pässen schief, so dass wir 1,5 Stunden im Zoll feststeckten. In Marokko bekommt der Pass eine eigene Nummer und obwohl wir bei der Polizei waren, hat irgendetwas nicht gepasst. Erst nach einem erneuten Durchlauf bei der Polizei hat dann alles gepasst und wir konnten passieren. Unser Ziel an diesem Abend war ein Campingplatz bei Moulay Bousselham den wir als sichere Anlaufstelle für die erste Nacht empfohlen bekommen haben. Bei starkem Regen fuhren wir die Autobahn der Küste entlang nach Süden. Just in time als wir auf den Campingplatz fuhren, hörte es auf zu regnen, und wir konnten den ersten Abend draußen mit Paella und etwas Rotwein genießen. Doch gleich nach dem Abwasch setzte wieder der Regen ein, und wir beendeten den Tag.
Der nächste Morgen empfing uns gleich wieder mit einem Regenguss. Da es auch ziemlich stürmte, beschlossen wir, unseren ursprünglichen Plan – der Küste entlang bis Agadir zu fahren – zu canceln, und stattdessen auf schnellstem Wege nach Süden und von der Küste weg zu kommen. Also legten wir unsere neue Route über Marrakesch nach Agadir – froh doch Marrakesch besichtigen zu können. Von zahlreichen Regenschauern und Sturmböen gebeutelt, erreichten wir abends Marrakesch wieder bei Trockenheit. Wir quartierten uns auf dem sehr schön angelegten Campingplatz am Ortseingang ein, und fanden dort ein schönes windgeschütztes Plätzchen hinter einer Mauer. Auch hier trieb uns wieder der Regen direkt nach dem Essen ins Bett.

Campingplatz Marrakesch
Übernacht frischte noch der Wind auf, so dass wir morgens sanft aus dem Schlaf gewogen wurden. Gegen Mittag brachte uns ein Taxi direkt bis zur Medina. Über den Platz der Gaukler, auf dem noch nicht viel los war, kamen wir direkt in die Souks. Für uns Europäer ist das total ungewohnt, so viele verschiedenen Läden dicht an dicht zu haben. Überall ist geschäftiges Treiben und jeder versucht einem etwas anderes anzudrehen. Diese etwas „aggressivere“ Verkaufsstrategie ist für uns zwar total ungewohnt, doch bei Weitem nicht nervig. Ich finde sogar, dass das ein bisschen dazu gehört. Auf einer kleinen Dachterrasse weit über den Dächern der Souks ließen wir uns Sandwichs und frischen Pfefferminztee schmecken. Danach schlenderten wir durch die Gassen und erstanden eine wunderschöne Öllampe, ein paar Gewürze und Süßigkeiten. Nach einem leckeren Abendessen in einer der zahlreichen Garküchen brachte uns ein Taxi wieder zurück auf den Campinglatz.

Win Timdouine – Tafroute (Painting Rocks)
Am nächsten Morgen hatte sich der Wind gelegt und der Himmel war wieder strahlend blau. Somit stand unserem nächsten Ziel nichts im Wege: Win Timdouine.
Win Timdouine ist eine große Wasserhöhle. Wohl einer der größten Höhlen überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent mit über 20km vermessener Ganglänge. Als Höhleninteressierte konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Glücklicher Weise lag die Höhle auf unserer Strecke nach Agadir. Über die Autobahn kamen wir von Marrakesch aus schnell ins Zielgebiet. Oben auf einem kleinen Pass zweigte eine kleine Straße ab, wo auch schon die Höhle ausgeschildert war. Nach einem weiteren Pass kamen wir in ein großes Tal welches uns mehr oder weniger direkt bis zur Höhle brachte. Eine Straße - später Piste brachte uns bis fast hin. Von weiten erkannten wir schon den Wasserfall, der direkt aus der Höhle kam. Die letzten Meter mussten wir laufen, aber dann waren wir da. Vor dem Höhleneingang wurde ein schönes Becken angelegt, welches vom Höhlenbach gespeist wurde.

Direkt dahinter befand sich der Höhleneingang. Wegen den Regenfällen der letzten Tage war der Höhlenbach ordentlich angeschwollen, so dass eine Befahrung ohne nass zu werden nicht möglich war. Doch die fantastische Lage, der sehr schöne Eingang und das Erleben des Hochwasserereignisses waren die Anfahrt wert.
Als nächstes Ziel stand bei uns Tafroute auf dem Plan. Wir fuhren also wieder zurück auf die große Hauptstraße und folgten dieser weiter nach Agadir. Passierten Agadir im Osten und erwischten auf Anhieb die richtige Straße nach Tafroute.

Kasbah am Wegesrand
Anfangs kamen wir noch gut voran, doch recht schnell führte uns die Straße ins Gebirge, wo die Straße schmal und kurvig wurde, so dass wir erst am späten Nachmittag Tafroute erreichten. Unser Ziel waren die Painted Rocks. Also durchquerten wir das kleine Städtchen und fuhren direkt weiter nach Süden. Wenige Kilometer weiter südlich zweigt eine kleine Piste ab, die uns direkt zu den Felsen brachte. Erst vereinzelt, dann immer häufiger tauchten die blau, rot, grün angemalten Felsen auf. Der Anblick war total bizarr. Schon alleine der Gedanke ist verrückt Haushohe Felsformationen anzumalen. Doch dieses verrückte Werk auch noch zu sehen ist Erlebnis der anderen Art. Da es mittlerweile schon spät war suchten wir uns ein hübsches Plätzchen zwischen den Felsen und richteten uns für einen schönen Abend am Lagerfeuer ein – denn es war heilig Abend.

Traumschlucht – Tata – Sturzacker - Tissinit
Der nächste Tag sollte uns laut Plan bis kurz vor Tata bringen. Wir kamen spät los, kauften noch in Tafroute das wichtigste ein, tankten, und nahmen die alte Piste nach Tafroute, um wieder zurück hoch auf den Pass zu kommen, von wo aus die Strecke nach Tata abzweigen sollte. Zunächst führte uns die Piste angenehm durch ein schönes Palmen bestandenes Tal, dann wurde die Piste etwas steiniger und immer mehr ausgewaschen. Die Piste endete an einem jähen Abgrund. An einer Stelle, wo die Piste an eine Felswand hingeschlichtet war, hat ein kleines Bächchen die Piste auf eine Breit von 3m weggespült. Da war nichts zu machen - wir mussten umdrehen, und die am Vortag gefahrene Straße hoch auf den Pass nehmen. Da es mittlerweile schon spät war, blieben wir noch eine Nacht bei Painted Rocks, und fuhren am nächsten Tag weiter. Über die Teerstraße erreichten wir schnell den Abzweig der Piste, die uns zunächst über das Plateau und dann durch eine enge Schlucht hinunter auf die Straße nach Tata bringen sollte. Wir bogen ab, querten ein paar kleine Häuseransammlungen, und fuhren hoch auf ein noch höher gelegenes Plateau.

Die Piste führte uns über das größtenteils einsame Plateau. Seltsamer weise waren erstaunlich viele frische Trassen geschoben worden, und wir trafen mehrere Straßenbautrupps. Wird es hier eine neue Teerstraße geben? Die Piste wurde kleiner und wir fädelten uns in ein kleines Tälchen ein. Das kleine Tal schnitt sich immer Tiefer in das Plateau ein, und Plötzlich standen wir mitten in einer Schlucht. Die Piste war hier stellen weise an die Schluchtwand hingeschichtet worden, steil führte sie uns an schönen Brunnen mit klarem Wasser vorbei hinab. Unten in der Schlucht erreichten wir ein kleines Dorf. Die Piste führte in das noch sehr kleine Flussbett und querte das Dorf. Die 20km blieb die Piste auch im Flussbett. Die Schlucht schnitt sich immer tiefer ein und das Flussbett wurde etwas breiter. Immer wieder waren kleine Häuseransammlungen links und rechts des Bachbetts. Oft klebten die Häuser regelrecht in der Felswand, weil mehr Platz nicht zum Bau vorhanden war.

Häuser in der Schlucht
Direkt im Flussbett oder auf kleinen Kiesbänken legten die Bewohner schöne Palmengärtchen an, in denen sie das wichtigste was sie zum leben brauchen anbauen. Die Bewohner waren überall freundlich und angenehm. Die Schlucht mäandrierte sehr stark und wir kamen nicht richtig voran, doch das wollten wir auch irgendwie gar nicht, denn es war zu schön um hier durchzubrechen. Es wurde später und die Sonne neigte sich. Sie ließ die Wände der Schlucht gelb, orange, rot aufglühen. Immer wieder tauchten die Palmengärten auf, was eine Stimmung von Tausend und einer Nacht hatte.

Nach einer großen Ortschaft war der ganze Zauber vorbei. Die Schlucht machte auf und wurde zu einem weiten Tal und die Piste war mit einem Schlag geteert. 10 Minuten Später erreichten wir die große Straße nach Tata. Für die Nacht fanden wir ein schönes Plätzchen in einem kleinen Seitental.
Auf der Teerastraße kamen wir am nächsten Tag gut voran, so dass wir pünktlich zu Mittagszeit in Tata ankamen. Da es die nächsten Tage im Süden durch die Wüste gehen sollte, kauften wir noch ein und aßen in einem kleinen Lokal abseits der Hauptstraße zu Mittag. Anschließend fuhren wir noch ein paar Kilometer nördlich um uns eine angebliche Höhle anzusehen. Allerdings schien es uns, dass sich nicht um eine Höhle im herkömmlichen Sinn handelte, sondern eher ein großer Tuffwasserfall war. Toll anzusehen - wie die Schleierfälle im Allgäu nur um vieles größer und natürlich trocken.

Höhlen nördlich von Tata
Danach fuhren wir wieder nach Süden. Unser Plan war es, der Grenze entlang nach Osten zum Erg Chegaga unserem nächsten Ziel zu fahren. Schnell fanden wir die richtige Piste, die uns nach Süd-Osten führte. Über große ebene Flächen kamen wir schnell voran. Doch wurden wir dann an einem Bergriegel vom Militär freundlich gestoppt.

Piste nach Süden
Sie erklärten uns, dass das militärisches Gebiet wäre, und wir wieder zurückfahren müssten. Sie beschrieben uns eine Piste (angeblich die Rally Paris-Dakar Piste) etwas weiter nördlich, die uns nach Osten bringen würde. Wir probierten dies. Wir fanden auch recht schnell die oder besser eine Piste, die in die passende Richtung führte. Doch leider verlor sich diese Piste. Auf der Suche nach der richtigen Piste fuhren wir spurenlos weiter.

Auf der Suche nach einer fahrbaren Piste
Zeitweise fanden wir Spurenbündel bzw. kleine Pisten, die sich dann aber wieder in der Geröllwüste verloren. So kamen wir immer weiter in die Geröllflächen der nahen Berge. Wieder und wieder mussten Täler und Bachläufe gequert werden. Ab Mittag des nächsten Tages wurde es dann richtig schlimm. Die ganze Gegend bestand aus mindestens Kindskopf großem Geröll. Meist war das Geröll wenigstens rund. Allerdings war es jetzt fast zu spät zum umdrehen. Denn es waren „nur“ noch 10 km bis zu dem Felseinschnitt, durch den wir hoch zur Teerstraße nach Tissinit kommen sollten. Also entschieden wir uns zu „Augen zu und durch“. Das war keine gute Idee, denn den restlichen Tag ging es meist nur noch in Untersetzung erstem Gang voran. Auch fanden wir keine Spurenbündel mehr. Das ganze wurde dann doch sehr mühsam. Am Vormittag des nächsten Tages stießen wir dann auf eine große Piste, die von Süd-Westen kam. Also haben wir die gesuchte Piste irgendwo gequert oder nördlich verlassen, ohne dass wir es bemerkt haben.

Der Felseinschnitt ist endlich erreicht
Auf dieser Piste kamen wir dann wieder gut voran, und erreichten recht schnell den Felseinschnitt. Wie zu erwarten befand sich auch dort eine Militärstation. Wir wurden freundlich aber bestimmt angehalten, und nach unseren Pässen gefragt. Nach einem netten Plausch konnten wir dann auch recht schnell wieder weiter. Wir fuhren noch weiter bis kurz nach Tissint, wo wir unten an der Cascade Bani eine ausgiebige Mittagspause machten.

Foum Zguid – Erg Chegaga – Mhamid
Um etwas Zeit aufzuholen fuhren wir die Teerstrasse noch bis nach Foum Zguid weiter und sind von dort aus die große Piste nach Osten zum Erg Chegaga gefahren. Kurz vor Sonnenuntergang fanden wir noch einen Platz in einer kleinen Bodensenke.
(Bild: Sonnenuntergang)
Der nächste Tag brachte uns recht früh zum Llac Iriki. Der Llac Iriki ist eine große Schwemmtonebene, die laut berichten immer wieder unter Wasser stehen soll. Mit einer großen Staubwolke fuhren wir dahin, und genossen es, auch mal abseits der Teerstraße schneller voran zu kommen.

Weit im Hintergrund tauchten die ersten Dünenkämme des Erg Chegaga auf, die immer näher kamen und größer wurden. Da wir heute noch bis Mhamid kommen wollten, hielten wir uns von den großen Dünen fern und blieben so gut es ging auf der großen Piste um das Erg herum.
(Bild: Dünenbild Erg)
Auf dieser kamen wir meist gut voran, so dass wir gegen Abend in Mhamid eintrafen. Nach etwas Suchen fanden wir einen schönen Platz auf einem Campingplatz jenseits des großen Wadis, wo wir abends eine leckere Tajine bekamen. Besonders toll und interessant war die warme! Dusche am nächsten Morgen. Früh morgens stieg jemand auf das Dach des Duschhäuschens und schürte einen Ofen an. Der Ofen war ein selbstgemachter Warmwasserbäuler. Eine klasse Konstruktion. Die warme Dusche war dadurch noch einmal so toll.

Campingplatz und Duschhaus in Mhamid
Djebel Bani
Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich los. Es sollte in den Djebel Bani gehen, einem nahe gelegenen Gebirgszug. Dort wollten wir uns Felsmalereien und Ritzzeichnungen ansehen. Da wir wieder einmal nicht auf Anhieb den richtige Pisteneinstieg fanden, fuhren wir teils querfeldein auf den nächsten Punkt zu, querten ein paar kleinere Dünenzüge und stießen dann auf eine gut befahrbare Piste. Nach ein paar kleineren Häuseransammlungen wurde die Piste immer kleiner, steiniger und einsamer. Am frühen Abend fanden wir einen schönen Platz auf einer großen, glatt gewaschenen Steinplatte bei einer hübschen Palmengruppe. Es war Sylvesterabend. Bis weit in die Nacht saßen wir am Lagerfeuer und kochten Tee.

Der Nächste Tag sollte uns dann endlich zu den Felsbildern bringen. Doch der Weg dorthin war noch lang und schlecht. Je weiter hinter wir in das Tal fuhren, desto kleiner und schlechter wurde die Piste. Oft war die Piste nur noch zu erahnen. Als wir dann endlich hinten im Talkessel waren, fanden wir nach ein paar Schritten auch schon die ersten Felsbilder.

Der Talkessel ist erreicht

Wir finden die ersten Bilder
Leider waren die Bilder schon sehr verblichen, doch ergreifend war es allemal. Immer wieder fanden wir zwischen Felsen und an den Decken der Halbhöhlen Malereien. Die zweite Ansammlung von Bildern war dann schon schwerer zu erreichen. Über einen schmalen Pfad mussten wir hoch auf das Plateau steigen, wo wir die letzten Meter uns den Weg zwischen haushohen Felsblöcken suchen mussten. Immer wieder gerieten wir in Sackgassen, oder der Weiterweg war durch Gueltas versperrt. Als wir das Labyrinth überwunden hatten fanden wir ziemlich schnell die beiden kleinen Halbhöhlen. Auch hier waren die Bilder schon sehr verblichen. Doch ein Bild war sehr interessant. Es erinnerte mich direkt an die Bilder aus der Höhle der Schwimmer im Gilf Kebir.

Die Halbhöhle mit der Abbildung des Schwimmers?
Zurück beim Auto fuhren wir weiter zu den nächsten Bildern. Das sollten allerdings Ritzzeichnungen sein. Nach etlichen Pistenkilometern kamen wir zu einem gewaltigen Plateauabbruch. Die Piste wund sich steil hinunter.
Unten sollten die Ritzzeichnungen sein. Doch da es so langsam dunkel wurde suchten wir uns einen Nachtplatz und verschoben die Besichtigung auf den nächsten Morgen. Das war auch eine gute Idee, denn durch die schräg stehende Sonne am nächsten Morgen kamen die Bilder noch besser zur Geltung. Ein paar echt schöne waren dabei. Leider wurden auch viele durch neue Ritzereien zerstört. In der nähe fanden wir auch einige Artefakte. Auf dem Weg zurück stöberten wir einen schönen Reibstein und mehrere Tonscherben auf.

Gazellen und Tonscherben
Um weiter nach Zagora zu kommen, mussten wir alles wieder zurück fahren. Da können 40km Piste schon öde werden, wenn man sie zum 2. Mal fährt. Doch am frühen Nachmittag erreichten wir die Teerstraße, die uns nach Zagora und weiter durchs DraaTal nach Norden bringen sollte. Das Palmen-bewachsene Draa Tal war wunder schön, und es tat gut, mal wieder so viel Grün zu sehen. Allerdings war auch hier wieder das Leben in vollem Gange. Wir fuhren noch etwas in die Nacht hinein, um nach Agdez zu kommen, wo wir in einem schönen Campingplatz in einer alten Kasbah unter kamen.

Das Draa Tal mit einer seiner Kasbahs
Source Bleu - Fes
Am nächsten Morgen versuchten wir möglichst früh los zu kommen, denn wir wollten bis rüber zu Source Bleu fahren. Kurz hinter Agdez verließen wir das schöne Draa-Tal, und fuhren direkt nach Westen. Die Straße führte wieder durch schöne Wüstengegenden, und querte hier und da eine kleine Ortschaft. Am frühen Nachmittag erreichten wir das nächste Highlight. Einen Korallenkrater.

Der Riffkrater und der Ausblick von oben
Mitten in einem ehemaligen Seebecken erhebt sich ein riesiger Krater. Dieser Krater ist in Wahrheit ein gewaltiges Korallenriff. Überall liegen hier tolle Fossilien herum. Es sah so aus, als ob der Krater mal zu einer Burg umgebaut worden war, da die offene Seite mit einer gewaltigen Mauer versperrt wurde, und überall Mauerreste zu finden sind. Hinter der Mauer brachte uns ein kleine steile Piste bis ganz hinauf. Oben holten uns dann die Fossilienverkäufer ein, die allerdings zu unserer Überraschung wieder gingen, nachdem wir ihnen sagten, dass wir nichts kaufen möchten. Wir streunerten noch etwas herum suchten Fossilien und fuhren wieder zurück zur Teerstraße. Dort trafen wir wieder einen der beiden Fossilienverkäufer. Oben am Berg habe ich schon einen wunderschönen Trilobiten in seinem Angebot erspäht. Und da er uns so brav in Ruhe gelassen hatte, kaufte ich nach zähen Verhandlungen ihm dieses uralte Tierchen ab.

Fossilienverkäufer
Doch mit den ganzen Fossilien vergaßen wir die Zeit und die Sonne neigte sich schon wieder in Richtung Sonnenuntergang. Also fuhren wir wieder etwas in die Nacht hinein, denn wir wollten ja noch auf den Campingplatz an der Source Bleu kommen. Dort bekamen wir auch ein schönes Plätzchen unter einer Palme, und auf die Frage hin nach etwas zu Essen, machte uns einer eine super leckere Tajne. Leider kamen wir in der Nacht nicht richtig zur Ruhe. Ein betrunkener Marokkaner randalierte, und schmiss alle Stühle und Tische des Restaurants in das Quellbecken. Somit suchten wir am nächsten Morgen ziemlich müde das Weite.

Die Source Bleu mit ihrer alten Kasbah
Da wir wieder etwas in unserem Zeitplan aufgeholt haben, entschlossen wir uns, über Fes nach Nador zu fahren. Kurz hinter der Source Bleu führt die Straße vorbei an einem schönen Stausee hinunter in die Gorge du Ziz. Dieser beeindruckenden Schlucht folgten wir lange bis hinauf in den Mittleren Atlas. Dort wurde es auch ordentlich kalt und überall war Schnee auf den Bergen zu sehen. Irgendwann gabelte sich die Straße und in beiden Richtungen war Fes angeschrieben. Wir entschieden uns für die östliche Variante. Ein Fehler. Die ersten 80 km waren wahnsinnig schlecht. Die Straße war nur einspurig und total aufgerissen und von Schlaglöchern übersäht, so dass wir nicht richtig voran kamen. Als die Straße dann endlich etwas besser wurde, führte sie in die Berge und schraubte sich auf einen Pass hoch.

Wir kamen der Schneefallgrenze immer näher und es wurde richtig kalt. Während der letzten Sonnenstrahlen überquerten wir den Pass und fuhren dann bei Dunkelheit hinab und weiter bis nach Fes, wo wir ein Plätzchen auf dem Campingplatz „Camping le Diamant Vert“ für die nächsten zwei Tage fanden.
Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und wir bestellten uns ein Taxi für Mittags, um rein nach Fes auf den Souk zu kommen. Für afrikanische Verhältnisse kam das Taxi recht pünktlich, und es brachte uns bis direkt vor das blaue Tor. Der Fahrer war sehr nett und wir plauderten über dies und das. Dann spielte er uns sein deutsches Lieblingslied vor – wir waren total überrascht, als „Manchmal haben Frauen ein wenig Hauhe gern..“ von den Ärzten erklang. Aber so ist die Welt J.
Über das Blaue Tor betraten wir die Souks und suchten uns zu allererst ein kleines Restaurant zum Mittagessen. Nach einem ausgiebigen Mal zogen wir los. Wir fanden viele tolle Läden bogen mal links mal recht ab oder querten eine Gasse. Mit Hilfe eines kleinen Stadtplanes aus dem Reiseführer und den „Sternenschildern“ (Diese Schilder wurden aufgehängt, um den Touristen die Orientierung leichter zu machen) fanden wir bis zur großen Moschee. Wir suchten uns auf einem kleinen Platz ein schönes Kaffee tranken eine gute Tasse Pfefferminztee und machten uns auf den Weg zurück. Doch irgendwie kamen wir immer wieder an Orte raus, die wir schon kannten – meist direkt an der großen Moschee.

Nur mit viel Fragen schafften wir es den Weg wieder heraus aus dem Gassenlabyrinth zu finden. Nach einem leckeren Nachtmahl direkt am Blauen Tor, brachte und das Taxi wieder zurück auf den Campingplatz, wo wir recht früh erschöpft ins Bett gingen.
Am nächsten Morgen beschlossen wir nach reiflichem Überlegen noch einen Tag hier zu bleiben, und direkt am Abfahrtag der Fähre nach Nador zu fahren. Da die Fähre erst abends um 18.00 ablegen sollte, waren wir guter Dinge rechtzeitig anzukommen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit diversen Aufräumarbeiten und plauderten mit unseren Nachbarn.

Nador - Heim
Am nächsten Morgen starteten wir schon Früh. Wir fanden auch auf Anhieb die richtige Ausfallstraße, doch irgendwie kamen wir nicht richtig voran. Es waren sehr viele LKWs unterwegs und danke des Gegenverkehrs war auch so gut wie kein Überholen möglich. Mittags waren wir immer noch auf der großen Straße nach Osten unterwegs, und Nador wollte nicht so richtig näher kommen. Erst als wir Guercif erreicht haben, kamen wir besser voran. So erreichten wir pünktlich um 14.00 Nador. Auf unserem Ticket stand, dass man 4 Stunden vor Abfahrt im Hafen sein sollte. Also fragten wir uns in den Hafen durch. Kurz nach 14.00 standen wir dann unten im Hafen. Doch außer ein paar Fischerbooten war da nichts. Auch nichts was nach Zoll aussah. Auf Google Earth habe ich vor der Abreise gesehen, dass nördlich von Nador in Melilla eine große Hafenanlage ist. Also versuchten wir es auf gut Glück weiter nördlich. Und siehe da in Melilla waren wir dann richtig. Die ganze Prozedur mit Einschiffen, Polizei und Zoll lief reibungsfrei, so dass wir weit vor Abfahrt schon unsere kleine Kabine beziehen konnten. Das Besondere an dieser Fähre war, dass wir Vollpension hatten. Sprich wir hatten unseren festen Platz im Restaurant mussten uns nicht anstehen und bekamen das Essen direkte an den Tisch geliefert - mit Vor- und Nachspeise. Das war doch mal ein ungeahnter Luxus. Und das Essen war ohne Ausnahme gut.
Laut Fährplan und Buchung hätten wir am Sonntag in der Früh zwischen 0.00 und 3.00 Uhr in Sete ankommen sollen. Somit hätten wir den kompletten Sonntag gehabt, um heim zu fahren. Doch wir haben die Rechnung ohne den französischen Zoll gemacht. Denn wie man uns auf dem Schiff erklärte, will dieser nicht so früh arbeiten. Das bedeutete, dass wir erst morgens um 9.00 anlegten, und dann endlich um 10.00 aus dem Hafen kamen. 8 Stunden später. Per Zufall fanden wir direkt nach dem Hafen einen großen Supermark, der auf hatte. Natürlich hielten wir sofort an und stürmten diesen. Schließlich brauchten wir ja noch ein paar Leckereien für die Heimfahrt. Wir ergatterten ein paar Tartes, Käse, Pastete, Wein, Baguette und noch ein paar weiter französischer Spezialitäten. Danach konnte es los gehen. Die Straßen waren frei, so dass wir abends um 22.00 zu Hause ankamen. 12 Stunden inklusive Pausen für 900 km.
Somit ging eine tolle Reise in ein fantastisches Land mit angenehmen Leuten zu Ende.
Für uns steht fest – Wir kommen wieder!
